Vegetarische/Vegane Fütterung

Kann ich meinen Hund vegetarisch/vegan füttern?

Hunde sind fleischbetonte Allesfresser, fachsprachlich als Karni-Omnivoren bezeichnet und ja, eine vegetarische Ernährung (ovo-lakto-vegetarisch) für den Hund ist möglich. Eine vegane Fütterung kann dagegen nur sehr schwer die Bedürfnisse des Hundes decken.

 

Bei der ovo-lakto-vegetarischen Fütterung wird auf Fleisch und Fisch verzichtet. Tierische Proteinquellen wie Milchprodukte und Ei sind möglich. Sie decken einen hohen Anteil des Proteinbedarfs ab. Außerdem kommen Kohlenhydrate, pflanzliche Öle, Obst/Gemüse und vitaminisierte Mineralfutter in den Napf. 

 

Bei der veganen Fütterung kommt kein tierisches Protein in den Napf. Die Grundlage bilden Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen oder Lupinen), Sojaprodukte oder auch Seitan (Weizeneiweiß), Nüsse und Saaten. Wie auch bei der vegetarischen Fütterung wird die Ration ergänzt durch Kohlenhydrate, pflanzliche Öle, Obst/Gemüse und vitaminisierte Mineralfutter.

Gründe für eine vegetarische Fütterung

Futtermittelallergien

Werden Hunde von klein auf mit verschiedensten Fleischsorten gefüttert und entwickeln dann eine Allergie, findet man oft keine Fleischsorte mehr, die vertragen wird. Ein Ausweichen auf Milchprodukte (Frischkäse, Quark, Joghurt usw.), alternative Proteinquellen (Insekten) oder pflanzliche Proteine bietet sich dann an. 

Lebererkrankungen

Sowohl bei angeborenen wie erworbenen Lebererkrankungen wird eine fleischarme oder fleischfreie Ernährung besser vertragen. 

Ethische Überzeugung der Besitzer*innen

Würde ein Hund sich freiwillig und bei freier Wahl für eine vegetarische oder sogar vegane Ernährung entscheiden? Dürfen wir Menschen einer anderen Art unsere Lebensweise aufzwingen?

Das Tierschutzgesetz (2. Abschnitt, §2) sagt, dass "wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat", "das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen, (...)" muss. 

Hundebesitzer*innen sollten hinterfragen, ob die dauerhafte vegetarische/vegane Fütterung eines gesunden Hundes artgerecht ist.

Spezielle Fragestellungen

Kalziumbedarf

Hunde haben im Vergleich zum Menschen einen deutlich höheren Kalziumbedarf. Dieser wird mit 130 mg/kg KM0,75/Tag angegeben. Würde der Kalziumbedarf ausschließlich durch Milchprodukte oder Eier gedeckt werden, würde der Protein- und Energiebedarf um ein Vielfaches überschritten. Daher muss Kalzium mit einem Mineralfuttermittel ergänzt werden.

 

 

Biologische Wertigkeit

Die biologische Wertigkeit der Proteine eines Lebensmittels ist ein Maß dafür, mit welcher Effizienz diese Nahrungsproteine in körpereigene Proteine umgesetzt werden können. Die biologische Wertigkeit ist tierartspezifisch unterschiedlich.

Während Kartoffelprotein ein fast ideales Aminosäurenmuster hat, kann es bei der Fütterung von Bohnen und Linsen leicht zu Mangelerscheinungen kommen, besonders an der essentiellen Aminosäure Methionin, die dann auch die Verfügbarkeit der übrigen Aminosäuren einschränkt.

B-Vitamine

Vegane Fütterung kann den Vitamin B-Bedarf nicht ausreichend decken. Ob die häufig eingesetzte Bierhefe den Bedarf des Hundes ausreichend abdecken kann ist noch nicht ausreichend erforscht. Eine Ergänzung mit einem vitaminisierten Mineralpulver ist nötig.

Phytinsäure

Pflanzliche Stärke- und Proteinträger sind reich an Phytinsäure, die im Organismus Phosphor bindet, der damit nicht in vollem Umfang zur Verfügung steht.

Oligosaccharide

Oligosaccharide, vor allem Stachyose und Raffinose, gehören neben Stärke zu den stickstofffreien Extraktstoffen (NfE). Diese sind im Dünndarm nur zu einem sehr geringen Teil verdaulich und werden dann im Dickdarm fermentiert. Es gärt im Darm und je nach Sensibilität des Hundes kommt es zu weichem Kot und Flatulenzen.