Labrador Retriever – Rasseporträt aus Sicht von Physiotherapie und Rehabilitation

Tierärztin Susanne Gnass · VetServices Aktive Pfoten

Der Labrador Retriever gehört seit Jahren zu den beliebtesten Hunderassen in Deutschland. Gleichzeitig gibt es einige Erkrankungen, die bei dieser Rasse häufiger oder besonders praxisrelevant sind – vor allem aus Sicht von Bewegung, Gelenkgesundheit und Rehabilitation. Wer einen Labrador begleitet, sollte diese Themen kennen: nicht um Angst zu machen, sondern um frühzeitig handeln zu können. Denn gerade beim Labrador gilt: Je früher man hinschaut, desto mehr Lebensqualität lässt sich erhalten.

Herkunft und Geschichte

Die Wurzeln des Labrador Retrievers liegen in Neufundland, Kanada. Dort arbeiteten im 18. und 19. Jahrhundert sogenannte St. John's Dogs an der Seite von Fischern – ihre Aufgabe bestand darin, Netze zu transportieren, Tauwerk zu bringen und Ausrüstung oder Fisch aus dem Wasser zurückzuholen. Um 1880 kamen diese Hunde per Schiff nach England, wo sie mit einheimischen Jagdhunden gekreuzt wurden. Das Ergebnis war der Labrador Retriever, wie wir ihn heute kennen.

 

Als eigenständige Rasse anerkannt wurde er am 7. Juli 1903 vom englischen Kennel Club. Der Name „Retriever" leitet sich vom englischen Verb „to retrieve" ab – zurückholen, zurückziehen, wieder auffinden.

 

Heute ist der Labrador eine der beliebtesten Hunderassen in Europa. Die arbeitsfreudigen und zutraulichen Tiere werden häufig als Blindenführ-, Rettungs- und Lawinenhund eingesetzt. Auch als Spürhunde bei der Polizei leisten sie wertvolle Dienste. Darüber hinaus hat sich der Labrador als Therapie- und Assistenzhund in vielen medizinischen und sozialen Bereichen bewährt.

Steckbrief

  • Herkunft: Neufundland (Kanada) / offiziell Großbritannien
  • FCI-Gruppe: Gruppe 8 – Apportier-, Stöber- und Wasserhunde
  • Schulterhöhe: Rüden 56–57 cm, Hündinnen 54–56 cm
  • Idealgewicht: Rüden 29–36 kg, Hündinnen 25–32 kg
  • Fellfarben: Schwarz, Gelb, Braun
  • Lebenserwartung: 10–12 Jahre
  • Typische ToeGrips®-Größe: Large 

Der Labrador aus Sicht der Physiotherapie

Beim Labrador zeigen sich viele Erkrankungen nicht nur als klassische Lahmheit. Manchmal wirkt der Hund einfach weniger belastbar, stolpert, läuft steifer, setzt sich häufiger hin, springt schlechter ins Auto oder meidet glatte Böden. Dahinter können orthopädische Ursachen wie Hüftgelenksdysplasie, Ellbogendysplasie, Kreuzbanderkrankungen oder Arthrose stehen – aber auch neurologische, neuromuskuläre, internistische oder dermatologische Erkrankungen können beteiligt sein.

 

Dieses Rasseporträt betrachtet den Labrador gezielt aus der Perspektive von Physiotherapie, Rehabilitation und Alltag: Welche Erkrankungen sind typisch oder besonders wichtig? Welche Symptome solltest du früh erkennen? Und wann ist besondere Vorsicht beim Training oder in der Reha geboten?

 

Beim Labrador treffen für die Reha mehrere Faktoren zusammen. Er ist häufig kräftig und muskulös gebaut, hat Freude an Bewegung und Spiel – und gleichzeitig besteht bei der Rasse eine bekannte Neigung zu Übergewicht. Schon wenige zusätzliche Kilogramm erhöhen die Belastung auf Hüfte, Ellbogen, Knie und Wirbelsäule deutlich. Hinzu kommt, dass Labradore oft sehr motiviert sind. Sie bremsen sich im Spiel, beim Apportieren oder beim Spaziergang nicht immer selbst. Für Halterinnen und Halter wirkt das zunächst positiv: „Er will ja noch." Für die Reha ist aber entscheidend, ob der Körper diese Belastung auch gut verarbeitet.

 

 

Für Halter:innen wichtig: Ein Labrador, der nach Ruhe steif aufsteht, auf glatten Böden unsicher wird, Treppen meidet, langsamer wird oder nach Belastung schlechter läuft, sollte früh untersucht werden. Je früher Schmerzen, Instabilitäten oder neuromuskuläre Ursachen erkannt werden, desto besser lässt sich der Alltag anpassen.

Neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen

Exercise-Induced Collapse (EIC)

Exercise-Induced Collapse ist eine genetisch bedingte neuromuskuläre Erkrankung, die besonders beim Labrador Retriever beschrieben ist. Betroffene Hunde können im Ruhezustand völlig unauffällig wirken – nach mehreren Minuten intensiver Anstrengung kommt es jedoch zu Schwäche, Koordinationsverlust und Kollaps. Die Erkrankung wird autosomal-rezessiv vererbt und ist mit einer Mutation im DNM1-Gen assoziiert (University of Minnesota, College of Veterinary Medicine). Episoden treten typischerweise nach intensiver Belastung auf und bilden sich meist innerhalb von Minuten wieder zurück.

 

 

EIC ist keine Konditionsschwäche. Ein betroffener Labrador darf nicht durch härteres Training leistungsfähiger gemacht werden. Entscheidend sind Belastungsmanagement, Vermeidung auslösender Situationen, Pausen und Temperaturkontrolle. Wenn ein Labrador unter Belastung schwankt, hinten wegsackt oder kollabiert, gehört EIC zu den wichtigen Differenzialdiagnosen.

Centronukleäre Myopathie (CNM)

Die Centronukleäre Myopathie ist eine erbliche Muskelerkrankung des Labrador Retrievers, die autosomal-rezessiv vererbt wird. Sie zeigt sich mit vermindertem Muskeltonus, schlechter Gewichtsentwicklung, abnormaler Körperhaltung, auffälligem Gang, schneller Ermüdung und Problemen bei der Futteraufnahme. Verschlechterung bei Kälte oder Anstrengung ist typisch. Inzwischen steht ein Gentest zur Verfügung (UC Davis Veterinary Genetics Laboratory; Laboklin).

 

 

Für Halter:innen kann CNM zunächst wie ein orthopädisches Problem wirken. Tatsächlich liegt die Ursache aber in der Muskulatur selbst. Für die Reha gilt: Betroffene Hunde brauchen keine härtere Belastung, sondern eine sorgfältige Diagnostik und einen sehr behutsamen Bewegungsplan. Kurze Einheiten, warme Umgebung, viele Pausen und rutschfester Untergrund sind besonders wichtig.

Weitere neuromuskuläre Differenzialdiagnosen

Beim Labrador sind außerdem Muskeldystrophien, Myasthenia gravis, Epilepsie mit hereditärer Komponente sowie Kataplexie und idiopathischer Kopftremor beschrieben. Für die Physiotherapie sind diese Erkrankungen vor allem unter zwei Gesichtspunkten wichtig: Erstens kann belastungsabhängige Schwäche, die sich nach Ruhe bessert, auf eine neuromuskuläre Ursache hinweisen – und sollte nicht als mangelnde Kondition interpretiert werden. Zweitens beeinflussen Medikamente gegen Epilepsie oder Myasthenia gravis häufig Gangbild und Belastbarkeit. Eine Reha-Planung muss diese Faktoren berücksichtigen.

Larynxparalyse

Die erworbene Kehlkopflähmung ist beim Labrador Retriever besonders relevant – Cornell beschreibt sie als eine der häufigsten betroffenen Rassen (Cornell Riney Canine Health Center). Dabei öffnet sich der Kehlkopf während der Einatmung nicht mehr ausreichend. Typische Hinweise sind lautere Atmung, veränderte Stimme, Heiserkeit, rasche Ermüdung oder Atemnot bei Wärme, Aufregung oder Anstrengung.

 

Für die Physiotherapie ist das entscheidend: Wärme, Aufregung, intensives Training und enge Halsbänder können problematisch sein. Besonders bei Hydrotherapie ist Vorsicht geboten.

Lumbosakrale Stenose

 

Lumbosakrale Erkrankungen können beim Labrador zu Rückenschmerzen, Hinterhandschwäche, veränderter Rutenhaltung oder neurologischen Ausfällen führen. Manchmal zeigen Hunde Schwierigkeiten beim Treppensteigen, Unlust ins Auto zu springen oder Schmerz bei Streckung der Hintergliedmaßen. Die Abgrenzung zu Hüftproblemen und Kreuzbanderkrankungen ist für die Reha wichtig. Rumpfstabilität, kontrollierte Hinterhandarbeit und gute Schmerzsteuerung stehen im Vordergrund.

Orthopädische Erkrankungen

Hüftgelenksdysplasie und Hüftarthrose

Die Hüftgelenksdysplasie gehört zu den klassischen orthopädischen Erkrankungen großer Hunderassen und ist beim Labrador besonders gut untersucht. Die Hüftgelenke entwickeln sich fehlerhaft, was langfristig zu Arthrose und Schmerzen führt. Die Erkrankung ist polygenetisch bedingt – mehrere Gene und Umweltfaktoren spielen zusammen. Labradore sind von dieser Erkrankung deutlich häufiger betroffen als der Durchschnitt aller Hunde. (Pegram et al., Royal Veterinary College, 2021). Die Erkrankung kann sich bereits im Junghundalter zeigen, manchmal fällt sie aber erst später durch zunehmende Steifheit oder Hinterhandschwäche auf.

 

Typische Hinweise sind ein schwankender oder steifer Gang, Schwierigkeiten beim Aufstehen, weniger Schub aus der Hinterhand, der sogenannte Bunny Hopping-Gang, Unlust zu springen, Probleme beim Treppensteigen oder ein verändertes Sitzverhalten. Manche Hunde zeigen zunächst nur eine reduzierte Ausdauer oder wirken nach längerer Belastung steifer.

 

In der Physiotherapie stehen bei HD Schmerzreduktion, Erhalt der Beweglichkeit, gezielter Muskelaufbau und Gewichtsmanagement im Mittelpunkt. Besonders wichtig ist der Aufbau der hüftstabilisierenden Muskulatur – kontrolliert, langsam und ohne Überlastung. Sprünge, abruptes Stoppen, wildes Spiel und rutschige Böden können Beschwerden verstärken.

 

Bei älteren Labradoren ist die HD häufig nicht mehr isoliert zu betrachten: Oft bestehen gleichzeitig Arthrose, Muskelabbau, Kompensationen in Rücken oder Vorderhand und eine allgemeine Abnahme der Belastbarkeit. Dann geht es nicht mehr um Heilung, sondern um Lebensqualität, Beweglichkeit und sichere Alltagsbewegung.

 

Aus züchterischer Sicht wichtig: Kaufe nur von HD-geröntgten Elterntieren. Übergewicht gilt als bedeutender vermeidbarer Risikofaktor. Im Wachstum sollten Sprünge, lange monotone Belastungen, sehr viele Treppen und abrupte Stop-and-go-Spiele maßvoll dosiert werden.

Ellbogendysplasie

Die Ellbogendysplasie ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Komplex verschiedener Entwicklungsstörungen des Ellbogengelenks. Dazu gehören unter anderem der fragmentierte Processus coronoideus medialis, Inkongruenzen des Gelenks, der isolierte Processus anconaeus und osteochondrotische Veränderungen. Beim Labrador zeigen Populationsdaten eine deutlich erhöhte Jahresprävalenz im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung der Hunde (Pegram et al., Royal Veterinary College, 2021).

 

Für dich als Halter:in zeigt sich die Ellbogendysplasie oft als Vorderhandlahmheit, steifer Gang, verkürzte Schritte, Entlastung einer Vordergliedmaße oder Schmerz nach Bewegung. Manche jungen Hunde laufen zunächst nur unrund oder wirken weniger belastbar. Später kann die entstehende Arthrose das Hauptproblem werden.

 

Wichtig und in der Praxis oft unterschätzt: ED ist häufig mit einer HD verbunden. Durch die Schmerzhaftigkeit der Hüften und Wirbelsäule entstehen bereits beim Welpen Fehlhaltungen und kompensatorische Bewegungsmuster. Zeigt dein Hund Probleme in der Vorhand, gehört deshalb immer auch ein Blick auf die Hinterhand.

 

Physiotherapeutisch stehen Schmerzreduktion, Erhalt der Ellbogenbeweglichkeit, kontrollierter Muskelaufbau und langfristige Arthroseprophylaxe im Vordergrund.

 

Praxisnah bedeutet das: Vorderhandlahmheit beim jungen Labrador sollte nicht abgewartet oder wegtrainiert werden. Je früher die Ursache geklärt wird, desto besser lässt sich der weitere Verlauf beeinflussen.

Kreuzbanderkrankung

Der Riss des vorderen Kreuzbandes gehört zu den häufigsten Lahmheitsursachen beim Hund. Beim Labrador ist meist nicht ein einzelnes akutes Trauma entscheidend, sondern eine fortschreitende Degeneration des Bandes. Das Kreuzband verliert über längere Zeit an Stabilität, kann zunächst teilweise geschädigt sein und schließlich auch bei relativ geringer Belastung vollständig reißen. Häufig bestehen zusätzlich Meniskusschäden.

 

Beim Labrador ist besonders wichtig zu wissen: Kreuzbanderkrankungen treten nicht selten beidseitig auf. Auch wenn zunächst nur ein Knie deutlich lahmt, sollte das andere Knie sorgfältig mitbeurteilt werden. Typisch sind Lahmheit der Hintergliedmaße, Schwierigkeiten beim Aufstehen, Entlastung im Stand, kürzere Schritte, Steifheit nach Ruhe oder eine deutliche Verschlechterung nach Belastung.

 

 

Für die Physiotherapie ist die Kreuzbanderkrankung eines der wichtigsten Labrador-Themen. Vor einer Operation geht es um Schmerzreduktion, kontrollierte Bewegung, Vermeidung weiterer Überlastung und Erhalt möglichst guter Muskulatur. Nach chirurgischer Versorgung stehen schrittweiser Belastungsaufbau, Beweglichkeit, Muskelaufbau, Koordination, Gewichtsmanagement und langfristige Arthroseprophylaxe im Vordergrund. Zu schnelle Belastungssteigerung ist einer der häufigsten Fehler – gleichzeitig ist dauerhafte Inaktivität ebenfalls ungünstig, weil Muskelverlust und Gewichtszunahme die Gelenke zusätzlich belasten.

OCD und Wachstumserkrankungen

Osteochondrosis dissecans (OCD) ist eine Entwicklungsstörung des Gelenkknorpels, die beim Labrador besonders an der Schulter, aber auch an Ellbogen, Knie und Sprunggelenk auftreten kann. Betroffen sind meist junge Hunde im Wachstum. Lahmheiten können mild beginnen, wechselnd auftreten oder zunächst wie eine harmlose Überlastung wirken. Bei jungen Labradoren mit wechselnder oder schwer lokalisierbarer Lahmheit sollten auch Panostitis und hypertrophe Osteodystrophie als wachstumsphasentypische Erkrankungen berücksichtigt werden.

 

 

Für Halter:innen wichtig: Ein Junghund mit wiederkehrender Lahmheit sollte nicht über Bewegung auftrainiert werden, solange die Ursache ungeklärt ist. Erst Diagnose, dann Belastungsaufbau.

Arthrose und chronischer Gelenkschmerz

Viele der genannten orthopädischen Erkrankungen führen langfristig zu Arthrose. Beim Labrador betrifft das besonders Hüfte, Ellbogen, Knie, Schulter und Wirbelsäule. Arthrose ist nicht nur Alter – sie ist ein chronischer Prozess, bei dem Schmerz, Entzündung, Bewegungsverlust, Muskelabbau und veränderte Belastung zusammenwirken. Ein Hund mit Arthrose bewegt sich oft weniger, baut Muskulatur ab, nimmt leichter zu und belastet andere Körperregionen stärker. Physiotherapie kann hier sehr viel leisten: Schmerzreduktion, Erhalt der Beweglichkeit, Muskelaufbau, Koordination und Beratung zu Untergrund, Gewicht und Belastungssteuerung.

 

 

Gerade bei Labradoren mit Arthrose spielt der Untergrund im Alltag eine große Rolle. Rutschige Fliesen, Parkett oder Laminat können dazu führen, dass dein Hund vorsichtiger läuft, beim Aufstehen wegrutscht oder Ausweichbewegungen entwickelt. Rutschfeste Läufer, sichere Liegeplätze und Rampen helfen, unnötige Belastung zu vermeiden.

Übergewicht

Beim Labrador besteht eine genetisch begründete Neigung zu Übergewicht. Eine Studie der Universität Cambridge konnte zeigen, dass eine Mutation im POMC-Gen bei vielen Labradoren das Sättigungsgefühl reduziert (Raffan et al., Cell Metabolism, 2016). Übergewicht gilt als einer der bedeutendsten vermeidbaren Risikofaktoren für Arthrose und Gelenkerkrankungen – jedes Kilogramm zu viel belastet die Gelenke dauerhaft. Für Labradore mit bestehender HD oder ED ist Gewichtsmanagement deshalb kein kosmetisches Thema, sondern ein zentraler Bestandteil der Therapie.

Internistische Erkrankungen

Nicht jede reduzierte Belastbarkeit beim Labrador kommt von Gelenken, Rücken oder Nerven. Gerade bei einer so bewegungsfreudigen und oft stoischen Rasse können internistische Erkrankungen lange unspezifisch wirken.

 

Beim Labrador werden ernährungsabhängige Formen der dilatativen Kardiomyopathie im Zusammenhang mit Taurinmangel sowie primäre supraventrikuläre Tachykardien beschrieben. Manche Hunde wirken einfach schneller müde, hecheln stärker oder erholen sich schlechter. Ein Labrador mit deutlicher Belastungsintoleranz, Kollapsneigung oder auffälliger Atmung sollte tierärztlich abgeklärt werden, bevor ein Trainingsplan gesteigert wird.

 

Beim Labrador Retriever ist außerdem eine Kupferspeichererkrankung der Leber beschrieben, die zu chronischer Hepatitis führen kann (ACVIM Consensus Statement, 2019). Müdigkeit, reduzierte Belastbarkeit, Appetitverlust oder allgemeine Mattigkeit können Hinweise sein. Ein Labrador, der im Training schnell abbaut oder sich nach Belastung schlechter erholt, sollte nicht automatisch als alt oder untrainiert eingeordnet werden.

 

 

Auch Insulinom, Hypoparathyreoidismus und primäres Lymphödem sind beim Labrador beschrieben und können das Bewegungsbild beeinflussen. Episodische Schwäche, Zittern, Ataxie oder Koordinationsprobleme können internistische Ursachen haben und gehören tierärztlich abgeklärt, bevor eine physiotherapeutische Belastungssteigerung erfolgt.

Haut, Pfoten, Ohren und Augen

Beim Labrador werden atopische Dermatitis, Futtermittelallergien, Hot Spots, Pododermatitis und Zwischenzehen-Furunkulose beschrieben. Ein Hund mit schmerzhaften Pfoten oder entzündeten Zwischenzehenbereichen läuft anders – er belastet einzelne Gliedmaßen vorsichtiger, ist berührungsempfindlich oder arbeitet in der Therapie schlechter mit. Deshalb gehören Haut, Pfoten und Krallen immer zur Gesamtbeurteilung eines auffälligen Gangbildes.

 

Labradore sind häufig wasserfreudig – Feuchtigkeit, hängende Ohren und allergische Grunderkrankungen können Ohrentzündungen begünstigen. Eine Otitis externa kann zu Nackenverspannungen und veränderter Kopfhaltung führen, die wie ein Problem der Halswirbelsäule wirken kann.

 

 

Beim Labrador sind verschiedene Augenerkrankungen beschrieben, darunter progressive Retinaatrophie und retinale Pigmentepitheldystrophie. Ein Hund, der schlechter sieht, bewegt sich oft vorsichtiger, zögert vor Treppen oder wirkt bei Dämmerung oder auf unbekannten Untergründen verunsichert. Bei auffälligem Gangbild sollte deshalb nicht nur an Gelenke gedacht werden.

Mehr Sicherheit auf glatten Böden: Warum Bodenhaftung zur Reha gehört

Viele Labrador Retriever mit Arthrose, Kreuzbanderkrankung, Hüft- oder Ellbogenproblemen, neurologischer Unsicherheit oder nachlassender Muskulatur haben auf glatten Böden Mühe. Sie rutschen beim Aufstehen weg, spreizen die Beine, vermeiden bestimmte Räume oder bewegen sich vorsichtiger, als sie eigentlich müssten.

 

Das ist nicht nur ein Komfortproblem. Unsicherheit auf glatten Böden kann zu Ausweichbewegungen, Schonhaltung, Muskelverspannungen und zusätzlicher Belastung anderer Gelenke führen. Gerade in der Rehabilitation ist ein sicherer Untergrund deshalb ein wichtiger Teil des Therapiekonzepts.

 

ToeGrips® können hier eine einfache Alltagshilfe sein. Die kleinen Ringe werden auf die Krallen gesetzt und verbessern den Kontakt zwischen Kralle und Boden. Dein Hund bekommt dadurch mehr Halt, ohne dass die Pfoten vollständig bedeckt werden. Das kann besonders hilfreich sein bei älteren Labradoren, bei Arthrose, Hinterhandschwäche, nach orthopädischen Eingriffen oder wenn dein Hund auf Fliesen, Parkett oder Laminat unsicher wird. ToeGrips® ersetzen keine Diagnostik und keine Physiotherapie. Sie können aber helfen, vorhandene Beweglichkeit sicherer zu nutzen – und genau das ist im Alltag oft ein entscheidender Schritt.

 

Wenn du unsicher bist, ob ToeGrips® zu deinem Labrador passen, helfen dir unsere Größenhilfe und die FAQ weiter.

 

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Fazit

Der Labrador Retriever ist ein bewegungsfreudiger, freundlicher und belastbarer Hund – aber gerade deshalb werden Beschwerden manchmal spät erkannt. Lahmheit, Schwäche, Stolpern, Steifheit oder reduzierte Ausdauer sollten nicht vorschnell als Alter, Übergewicht oder mangelnde Kondition abgetan werden.

 

Beim Labrador kommen orthopädische Erkrankungen wie HD, ED, Kreuzbanderkrankung, OCD und Arthrose häufig vor. Gleichzeitig müssen neuromuskuläre Erkrankungen wie EIC, CNM und Larynxparalyse mitgedacht werden. Auch Herz, Atmung, Leber, Stoffwechsel, Augen, Haut, Pfoten und Ohren können das Bewegungsbild deutlich beeinflussen.

 

 

Ein guter Reha-Plan betrachtet deshalb nicht nur das einzelne Gelenk, sondern den ganzen Hund: Körperbau, Gewicht, Schmerz, Muskulatur, Nerven, Belastbarkeit, Alltag und Lebensqualität.

 

Neben Diagnostik, Schmerzmanagement, Physiotherapie und Gewichtsregulation spielen auch einfache Alltagshilfen eine wichtige Rolle. Rutschfeste Wege, angepasste Belastung und bei geeigneten Hunden ToeGrips® können dazu beitragen, dass dein Labrador seine vorhandene Beweglichkeit sicherer und entspannter nutzen kann.

Quellen und weiterführende Literatur

Challande-Kathmann I. (Hrsg.) (2021): Rehabilitation und Physiotherapie bei Hund und Katze. Techniken, Krankheitsbilder, Therapiekonzepte. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover. ISBN 978-3-89993-696-4.

Kohn B, Schwarz G. (Hrsg.) (2017/2018): Praktikum der Hundeklinik. Begründet von Hans G. Niemand. 12., aktualisierte Auflage. Enke Verlag / Thieme, Stuttgart. ISBN 978-3-13-219961-3.

Pegram C, Woolley C, Brodbelt DC, Church DB, O’Neill DG (2021): Disorder predispositions and protections of Labrador Retrievers in the UK. Scientific Reports. DOI: 10.1038/s41598-021-93379-2.

Raffan E, Dennis RJ, O’Donovan CJ et al. (2016): A deletion in the canine POMC gene is associated with weight and appetite in obesity-prone Labrador Retriever dogs. Cell Metabolism, 23(5), 893–900.

Webster CRL, Center SA, Cullen JM, Penninck DG, Richter KP, Twedt DC, Watson PJ (2019): ACVIM consensus statement on the diagnosis and treatment of chronic hepatitis in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine, 33(3), 1173–1200. DOI: 10.1111/jvim.15467.

University of Minnesota, College of Veterinary Medicine: Dynamin-1 Associated Exercise-Induced Collapse. Canine Genetics Laboratory.

UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Exercise-Induced Collapse (EIC).

UC Davis Veterinary Genetics Laboratory: Centronuclear Myopathy (CNM) in Labrador Retrievers.

LABOKLIN: Centronuclear Myopathy (CNM) – Labrador Retriever.

Cornell Richard P. Riney Canine Health Center: Laryngeal Paralysis.

Deutscher Retriever Club e. V.: Die Gesundheit unserer Hunde sowie Gesundheitsinformationen zum Labrador Retriever.