Tierärztin Susanne Gnass · VetServices Aktive Pfoten
Wenn ein Hund weniger aktiv ist als gewohnt, sich zögernd aufrichtet, Treppen meidet, ungern ins Auto springt oder einen schwankenden Gang zeigt, kann eine Hüftgelenksdysplasie (HD) dahinterstecken. Der Begriff bedeutet wörtlich „fehlerhafte Entwicklung des Hüftgelenks“ und bezeichnet eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen beim Hund.
Besonders häufig betroffen sind mittelgroße und große Hunderassen, grundsätzlich kann jedoch jeder Hund eine HD entwickeln. Die Diagnose klingt für viele Hundehalter:innen zunächst beunruhigend. Tatsächlich liegt die Veranlagung zwar in den Genen, doch wie stark sich daraus Beschwerden entwickeln, wird von vielen weiteren Faktoren beeinflusst. Körpergewicht, Muskulatur, Bewegung, Aufzucht und Training spielen eine entscheidende Rolle.
Die gute Nachricht: Eine Hüftgelenkdysplasie ist zwar nicht heilbar, aber in den allermeisten Fällen gut behandelbar. Viele Hunde mit HD führen bei richtiger Begleitung ein aktives, bewegliches und weitgehend schmerzarmes Leben. Manche zeigen sogar zeitlebens nur geringe oder gar keine Beschwerden.
Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose, ein individuell angepasster Behandlungsplan und ein gutes Verständnis dafür, was im Hüftgelenk eigentlich passiert. In diesem Artikel erfährst Du, wie eine HD entsteht, welche Symptome typisch sind, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und warum Physiotherapie und gezielter Muskelaufbau zu den wichtigsten Bausteinen der langfristigen Betreuung gehören.
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk: Der runde Kopf des Femur, des Oberschenkelknochens, der Femurkopf, sitzt in der Gelenkpfanne des Beckens, dem Azetabulum. Bei einem gesunden Hund passen beide Gelenkpartner eng zusammen. Das Gelenk ist stabil, gut geführt und gleichzeitig beweglich.
Bei einer Hüftgelenksdysplasie ist diese Passform gestört. Die Gelenkpfanne ist zu flach, der Femurkopf sitzt nicht fest genug darin, und das Gelenk ist zu locker. Diese Lockerheit wird fachlich als Laxität bezeichnet. Sie gilt als die erste Veränderung, die den weiteren Prozess in Gang setzt.
Wichtig zu wissen: Hunde mit einer HD-Veranlagung kommen mit anatomisch normalen Hüften zur Welt. Die Fehlentwicklung entsteht erst während des Wachstums. Die genetische Veranlagung führt zu einer Lockerheit des Gelenks (Laxität), die als erste, den gesamten Prozess einleitende Veränderung gilt. Umweltfaktoren wie zu energiereiche Fütterung, zu schnelles Wachstum und zu starke Belastung können die Ausprägung bei genetisch belasteten Tieren verstärken. Bei veranlagten Tieren zeigt sich diese „lockere Hüfte" schon ab einem Alter von etwa zwei Monaten als radiologisch nachweisbare Subluxation.
Durch die Gelenklaxität wird der Femurkopf nicht mehr gleichmäßig in der Gelenkpfanne geführt. Es kommt zu kleinen, unphysiologischen Bewegungen im Gelenk und zu einer veränderten Druckverteilung auf Femurkopf und Azetabulum. Häufig entsteht dabei eine dauernde Subluxation, also ein teilweises Ausrenken des Femurkopfes. Knorpel und Gelenkstrukturen werden dadurch zunehmend ungleichmäßig belastet.
Mit der Zeit führt diese Fehlbelastung zu Knorpelschäden, Knochenanbauten, sogenannten Osteophyten, und schließlich zu einer sekundären Arthrose des Hüftgelenks, der Coxarthrose. Diese fortschreitende Gelenkabnutzung ist langfristig meist der eigentliche Grund für Schmerzen, Steifheit, Lahmheit und Bewegungseinschränkungen.
Eine endgültige Aussage darüber, ob und wie stark eine HD vorliegt, ist deshalb meist erst nach Abschluss des Knochenwachstums möglich – bei vielen Rassen ab etwa einem Jahr, bei sehr großen Rassen häufig später.
Die Hüftgelenksdysplasie ist eine multifaktorielle Erkrankung mit starker genetischer Komponente. Das bedeutet: Die erbliche Veranlagung ist die Grundvoraussetzung. Ohne genetische Prädisposition entsteht keine HD. Vererbt wird sie über viele Gene; die rasseabhängige Erblichkeit liegt ungefähr zwischen 0,2 und 0,5.
Auf dieser genetischen Grundlage beeinflussen Umweltfaktoren, wie stark sich die Dysplasie ausprägt und ob klinische Beschwerden entstehen. Eine zentrale Rolle spielt die Ernährung im Wachstum. Zu energiereiches Futter, zu schnelles Wachstum sowie eine übermäßige Versorgung mit Kalzium und anderen Mineralstoffen können die Entwicklung begünstigen. Eine lebenslange Studie an Labrador Retrievern zeigte eindrücklich, dass Hunde mit knapperer Fütterung deutlich seltener und später eine Coxarthrose entwickelten und im Mittel sogar länger lebten.
Auch zu früh einsetzende oder zu starke Belastung in der Wachstumsphase wirkt sich ungünstig aus. Dazu gehören exzessives Laufen, häufige Sprünge, abrupte Stopps und unkontrollierte Belastung. Gleichzeitig ist eine gute, altersgerechte Bemuskelung wichtig, weil sie das Hüftgelenk von außen stabilisiert.
Grundsätzlich kann jeder Hund eine Hüftgelenksdysplasie entwickeln. Besonders häufig betroffen sind jedoch mittelgroße bis große Rassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever, Deutscher Schäferhund, Rottweiler, Boxer, Berner Sennenhund, Neufundländer, Bernhardiner und Bulldoggen.
Für die Vorbeugung bedeutet das: Entscheidend sind Zuchthygiene mit HD-Röntgen der Elterntiere, eine rasse- und altersgerechte Ernährung, die Vermeidung zu schnellen Wachstums, keine Überbelastung in der Wachstumsphase und ein sinnvoller Aufbau stabilisierender Muskulatur.
Wichtig ist: Der Schweregrad der Veränderungen im Röntgenbild stimmt nicht immer mit den tatsächlichen Beschwerden überein. Viele Hunde zeigen trotz ausgeprägter radiologischer Veränderungen keine oder nur milde Symptome. Umgekehrt können Hunde mit vergleichsweise moderaten Röntgenbefunden klinisch deutlich beeinträchtigt sein. Deshalb müssen Röntgenbild, klinische Untersuchung, Gangbild, Schmerzreaktion und Alltagssymptome immer gemeinsam bewertet werden.
Die Symptome einer Hüftgelenksdysplasie können sehr unterschiedlich sein. Sie hängen davon ab, wie alt der Hund ist, wie ausgeprägt die Gelenkinstabilität ist und ob bereits eine Arthrose entstanden ist. Typischerweise gibt es zwei Lebensphasen, in denen Hunde mit HD Beschwerden zeigen können.
Bei jungen Hunden zwischen etwa drei und zwölf Monaten steht meist die Gelenkinstabilität im Vordergrund.
Typisch bei Junghunden:
Geringerer Bewegungsdrang im Vergleich zu Gleichaltrigen
Zögerndes Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen
Vermeiden von Sprüngen, Treppen oder dem Einsteigen ins Auto
Schwankender, breitbeiniger oder watschelnder Gang der Hinterhand
Verkürzte Schritte
Hasenartiger Hoppelgang mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig („Bunny-Hopping“)
Schwächere Bemuskelung der Hinterhand
Mit der Zeit kann sich das Gelenk durch eine bindegewebige Verdickung der Gelenkkapsel etwas stabilisieren. Dadurch können Schmerzen vorübergehend nachlassen oder sogar verschwinden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die HD ausgeheilt ist.
In einer zweiten Phase, oft erst zwischen zwei und zwölf Jahren, werden viele Hunde wieder auffällig, wenn die Arthrose im Hüftgelenk fortgeschritten ist.
Typisch bei älteren Hunden:
Lahmheit unterschiedlichen Ausmaßes, oft nach Ruhe oder längerer Belastung
Steifigkeit morgens beim Aufstehen
Verminderte Bewegungslust
Steh- und Sprungunwilligkeit
Zögerndes oder erschwertes Aufstehen
Schmerzen bei Beugung oder Streckung des Hüftgelenks
Hörbares oder fühlbares Reiben im Gelenk
Sichtbarer Muskelabbau an der Hinterhand
Verlagerung des Körperschwerpunkts nach vorne
Kräftigere Vorhand durch vermehrte Belastung
Auffällig ist häufig eine veränderte Muskelverteilung: Während Oberschenkel- und Hüftmuskulatur abbauen, wird die Vorhand stärker belastet und dadurch kräftiger. Manche Hunde wirken dadurch vorne sehr muskulös, während die Hinterhand schmaler und schwächer erscheint. Zusätzlich sind Muskeln wie der M. pectineus und der M. iliopsoas durch die Fehlbelastung häufig schmerzhaft verspannt und verkürzt.
Schmerzen äußern sich bei Hunden außerdem nicht immer durch Jaulen oder Lautäußerungen. Häufig zeigen sie sich viel subtiler: Der Hund zieht sich zurück, wird reizbarer, vermeidet bestimmte Bewegungen, spielt weniger, schläft mehr oder verändert sein Verhalten im Alltag. Solche Veränderungen sollten ernst genommen und tierärztlich abgeklärt werden.
Bei Auffälligkeiten im Gangbild, zögerlichem Aufstehen oder verminderter Bewegungsfreude sollte Dein Hund zeitnah orthopädisch untersucht werden. Gerade bei großen Rassen ist eine frühe Abklärung sinnvoll — frühzeitig begonnene Physiotherapie und Muskelaufbau können den Verlauf deutlich beeinflussen.
Die Diagnose einer Hüftgelenksdysplasie erfolgt durch eine Kombination aus Vorbericht, klinischer Untersuchung, orthopädischer und neurologischer Untersuchung sowie Röntgenbefunden. Meist ergeben Anamnese, Gangbild und eine sorgfältige Untersuchung bereits einen starken Verdacht.
Typische diagnostische Schritte:
Anamnese und klinische Untersuchung
Beurteilung von Gangbild, Haltung und Bewegungsabläufen
Orthopädische Untersuchung mit Prüfung von Muskeltonus, Schmerzlokalisation und Bewegungsumfang
Neurologische Untersuchung, um andere Ursachen für Gangbildveränderungen auszuschließen
Passive Bewegung des Hüftgelenks, besonders Beugung und Streckung
Ortolani-Test zur Prüfung der Gelenkstabilität
Röntgenaufnahmen des Beckens in standardisierter Lagerung, meist in Narkose oder tiefer Sedation
Gegebenenfalls spezielle Lagerungstechniken zur Beurteilung der Gelenklaxizität
Bei jungen Hunden oder leichtgradigen Fällen gegebenenfalls statische und dynamische Röntgenuntersuchungen
Bei der klinischen Untersuchung ist die passive Bewegung des Hüftgelenks häufig schmerzhaft und im Bewegungsumfang eingeschränkt. Besonders die Streckung der Hüfte kann bei betroffenen Hunden deutliche Beschwerden auslösen.
Bei jungen Hunden lässt sich die Gelenkinstabilität im Frühstadium häufig über den Ortolani-Test nachweisen. Dieser Test wird in tiefer Sedation oder Narkose durchgeführt. Dabei wird der Femurkopf gegen die Gelenkpfanne geschoben und eine Subluxation provoziert. Springt der Femurkopf bei anschließender Abduktion mit einem fühlbaren Schnappen wieder in die Pfanne zurück, ist der Test positiv. Ein positiver Ortolani-Test ist ein wichtiger Hinweis auf eine Hüftgelenksdysplasie beziehungsweise eine vermehrte Gelenklaxizität.
Gesichert wird die Diagnose röntgenologisch. Nach den Vorgaben der FCI erfolgt die Beckenaufnahme in standardisierter Lagerung immer in Narkose oder tiefer Sedation. Beurteilt werden unter anderem die Gelenkpassform, die Gelenklaxizität, Arthrosezeichen und der Norberg-Winkel.
Die HD wird nach FCI (Fédération Cynologique Internationale, dem internationalen kynologischen Dachverband) in fünf Grade eingeteilt:
Diese Einteilung basiert auf Gelenkpassform, Gelenklaxizität und sekundären Arthrosezeichen. Sie dient vor allem der Zuchtauswahl und der Vergleichbarkeit von Röntgenbefunden.
Gerade bei sehr jungen Hunden oder leichtgradigen Fällen kann eine HD im Röntgenbild schwer zu erkennen sein, weil sekundäre Veränderungen noch fehlen können. Eine frühe Beurteilung sollte deshalb im Rahmen einer spezialisierten klinisch-orthopädischen Untersuchung erfolgen und kann statische sowie dynamische Röntgenuntersuchungen einschließen.
Wichtig ist: Röntgenbefunde allein sind nicht aussagekräftig genug. Sie müssen immer im Zusammenhang mit der klinischen Untersuchung, dem Gangbild, der Schmerzreaktion und den Alltagssymptomen bewertet werden. Viele Hunde mit ausgeprägten Röntgenveränderungen zeigen keine oder nur milde Symptome – und umgekehrt können Hunde mit weniger auffälligen Röntgenbefunden deutlich beeinträchtigt sein.
Eine Heilung der Hüftgelenksdysplasie ist bis heute weder in der Tier- noch in der Humanmedizin möglich. Es gibt keine Methode, die die Entstehung sekundärer Arthrosen zuverlässig verhindert. Trotzdem lässt sich der Verlauf in vielen Fällen sehr gut beeinflussen.
Die Therapieentscheidung hängt vom Alter des Hundes, dem Schweregrad der HD, dem Ausmaß der Arthrose, dem Körpergewicht, der Bemuskelung, den klinischen Symptomen, dem Röntgenbefund und der individuellen Situation ab. Auch die Möglichkeiten der Besitzerinnen und Besitzer spielen eine Rolle. Grundsätzlich wird zwischen konservativer und chirurgischer Therapie unterschieden.
Bei vielen Hunden, besonders bei leicht- bis mittelgradiger HD, ist eine konservative Therapie sehr erfolgreich und kann ein beschwerdearmes oder sogar beschwerdefreies Leben bis ins hohe Alter ermöglichen. Sie orientiert sich am sogenannten Arthrose-Regime.
Die Ziele der konservativen Behandlung sind, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu erhalten, die Gliedmaßenfunktion zu verbessern und das Fortschreiten der Arthrose zu verzögern.
Sie umfasst:
Für Nahrungsergänzungen ist die Studienlage begrenzt, sie werden klinisch aber häufig positiv bewertet. Wichtig ist: Eine Verbesserung tritt meist nicht sofort ein, sondern entwickelt sich über Wochen. Geduld, Konsequenz und eine gute Anpassung an den individuellen Hund zahlen sich aus.
Reicht die konservative Therapie nicht aus oder ist der Befund bei jungen Hunden für einen vorbeugenden Eingriff geeignet, stehen je nach Alter, Röntgenbefund und Arthrosestatus verschiedene chirurgische Verfahren zur Verfügung.
Chirurgische Verfahren bei Jungtieren vor Arthroseentwicklung
Bei sehr jungen Hunden ohne Arthrose können vorbeugende Eingriffe infrage kommen. Ziel ist es, die Überdachung des Femurkopfes zu verbessern und die weitere Gelenkentwicklung günstiger zu beeinflussen.
JPS: Die juvenile pubische Symphysiodese, kurz JPS, ist ein kleiner Eingriff bei jungen Welpen unter etwa 20 Wochen. Ziel ist eine günstigere Entwicklung des Beckens, damit der Femurkopf später besser von der Gelenkpfanne überdacht wird.
TPO: Die Triple Pelvic Osteotomy, kurz TPO oder Dreifach-Beckenosteotomie, kommt bei Jungtieren etwa zwischen vier und zwölf Monaten ohne Arthrosezeichen infrage. Dabei wird das Becken an drei Stellen durchtrennt und so neu ausgerichtet, dass der Femurkopf besser überdacht wird.
Chirurgische Verfahren bei fortgeschrittener Arthrose
Bei fortgeschrittener Arthrose stehen andere Verfahren im Vordergrund. Die Hüftgelenksprothese, auch TEP genannt, gilt hier als Goldstandard. Dabei werden Azetabulum und Femurkopf ersetzt. Die Erfolgsraten im Hinblick auf Schmerzreduktion und Funktion sind sehr hoch. Die Operation sollte möglichst zu einem Zeitpunkt erfolgen, an dem sie wirklich notwendig ist, da die Prothese langfristig halten soll.
Die Femurkopf- und -halsresektion, auch FHO genannt, ist ein Verfahren, bei dem Femurkopf und Femurhals entfernt werden. Es bildet sich anschließend eine bindegewebige Pseudarthrose, also eine Art Bindegewebsgelenk. Dieses Verfahren bleibt vor allem kleineren Hunden unter etwa 17 Kilogramm und Katzen vorbehalten. Bei großen Hunden sind die Erfolgschancen geringer.
Wichtig ist: Eine der häufigsten postoperativen Komplikationen nach Hüftoperationen ist eine Luxation. Ein möglichst guter Muskelaufbau schon vor der Operation ist deshalb sehr wichtig. Eine kräftige Muskulatur stabilisiert das Gelenk und kann die Rehabilitation nach dem Eingriff deutlich unterstützen.
Die Physiotherapie ist bei der HD kein Beiwerk, sondern ein zentraler Baustein – vorbeugend, konservativ und in der Nachsorge nach einer Operation. Der Behandlungsplan muss immer individuell erstellt und an den Verlauf angepasst werden, gerade weil die HD typischerweise chronisch-fluktuierend mit akuten Schüben verläuft.
Besonders wichtig: Ein guter Muskelaufbau stabilisiert das Hüftgelenk und reduziert die Belastung des Gelenks. Er ist sowohl therapeutisch als auch prophylaktisch entscheidend. Wenn möglich, sollte Physiotherapie bereits vor einer geplanten Operation beginnen.
Warum ist Muskelaufbau so wichtig?
Im Zentrum der Physiotherapie stehen Schmerzkontrolle, der Erhalt der Beweglichkeit und vor allem der gezielte Muskelaufbau. Eine kräftige Hinterhandmuskulatur stabilisiert das lockere Hüftgelenk von außen und kann die Belastung des Gelenks deutlich reduzieren. Dadurch lassen sich Schmerzen verringern und die Funktion verbessern. Bei vielen Hunden verbessert konsequenter Muskelaufbau die Chancen, Beschwerden langfristig zu kontrollieren und eine Operation hinauszuzögern oder sogar zu vermeiden.
Bei der konservativen Therapie wird ein individuelles Programm erstellt, das sich dem oft wechselhaften Verlauf der HD anpasst und langsam gesteigert wird. In der akuten Phase oder während eines Schubs stehen zunächst Schmerz- und Entzündungskontrolle im Vordergrund. Je nach Befund können einige Tage angepasste Ruhe, entzündungshemmende Medikamente, Massage und Thermotherapie sinnvoll sein. Nach Belastung oder bei Überreizung wird meist gekühlt; bei morgendlicher Steifigkeit oder vor Bewegung kann Wärme helfen – zum Beispiel ein zehn- bis fünfzehnminütiges Hot-Pack oder Rotlicht vor dem Laufen.
In stabileren Phasen rückt der gezielte Muskelaufbau in den Mittelpunkt. Eine kräftige Hüft- und Oberschenkelmuskulatur stabilisiert das lockere Hüftgelenk von außen und ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der konservativen Therapie. Passive Bewegungstherapie hilft, die Hüfte beweglich zu halten. Ergänzend können sanfte Traktion und Dehnungen eingesetzt werden, um Gelenkdruck, Kapselspannung und muskuläre Verspannungen zu reduzieren.
Die aktive Bewegungstherapie zielt vor allem auf den Aufbau der Hinterhandmuskulatur. Dazu gehören kontrollierte, zunächst kurze Spaziergänge, Sitz-Steh-Übungen, langsames Bergauflaufen, behutsames Treppentraining, kleine Hindernisse, Slalom und wechselnde Bodenarten. Wichtig ist: lieber regelmäßig, kontrolliert und dosiert trainieren als selten und zu intensiv.
Eine besonders wertvolle Rolle spielt die Hydrotherapie. Schwimmen und Unterwasserlaufband ermöglichen gelenkschonendes Training mit gutem Muskelaufbau. Das Unterwasserlaufband hat dabei den Vorteil, dass die Hüftstreckung gezielt gefördert werden kann.
Zur Schmerzlinderung, Geweberegeneration und Vorbereitung der Muskulatur können – je nach Befund und therapeutischer Einschätzung – weitere Verfahren ergänzt werden, zum Beispiel therapeutischer Ultraschall, TENS, Lasertherapie oder Magnetfeldtherapie. Regelmäßige Kontrollen und Anpassungen des Programms sind wichtig, damit die Therapie zum aktuellen Zustand des Hundes passt.
Ein Grundsatz, der nicht oft genug betont werden kann: Muskelaufbau ist sehr wichtig – und wenn eine Operation absehbar ist, am besten schon vorher. Die häufigste Komplikation nach einer Hüftoperation ist eine Luxation, und eine kräftige Muskulatur schützt das Gelenk in der kritischen Phase danach. Ein gut bemuskelter Hund erholt sich schneller und sicherer.
Die postoperative Reha beginnt unmittelbar nach dem Eingriff, oft schon in der Aufwachphase mit vorsichtiger passiver Bewegung, Massage und Kälte. In den ersten Wochen wird das Tier beim Laufen mit einer Bauchschlinge unterstützt, schrittweise folgen aktive Bewegungstherapie und, sobald die Wunde es erlaubt, die Arbeit auf dem Unterwasserlaufband. Wird zu spät begonnen, zieht sich die Genesung erheblich in die Länge – ein früher, konsequenter Start zahlt sich aus.
Wenn Du nur drei Dinge mitnimmst, dann diese: Gewicht, Muskulatur und der frühe Start.
Das wirksamste Mittel überhaupt ist ein schlanker Hund. Jedes Kilo zu viel belastet die ohnehin vorgeschädigten Gelenke. Studien zeigen, dass übergewichtige Hunde nach einer Gewichtsabnahme deutlich weniger Beschwerden haben. Wiege Deinen Hund regelmäßig und passe die Futtermenge konsequent an.
Ebenso entscheidend ist regelmäßige, angepasste Bewegung in Kombination mit gezieltem Muskelaufbau. Lieber täglich mehrere kontrollierte, kürzere Runden auf weichem Untergrund als die eine wilde Tobe-Einheit mit abruptem Stoppen und Drehen. Eine gute, individuell aufgebaute Physiotherapie ist hier Dein stärkster Verbündeter.
Eine konsequente, gut abgestimmte Schmerztherapie hält Deinen Hund in Bewegung – und Bewegung erhält die Muskulatur. Ergänzende Gelenkpräparate wie Grünlippmuschel, Glucosamin oder Chondroitin können unterstützen; ihre Wirkung ist wissenschaftlich allerdings noch nicht eindeutig belegt.
Hunde mit HD verlieren durch Schmerzen, Muskelabbau und Gelenkinstabilität oft Sicherheit in der Hinterhand. Besonders auf Fliesen, Laminat oder Parkett kann das Wegrutschen die Unsicherheit verstärken und dazu führen, dass sich Hunde weniger bewegen. Dadurch entsteht leicht ein Teufelskreis aus Schonung, weiterem Muskelabbau und zunehmender Instabilität.
Im Alltag kannst Du Deinen Hund bereits mit einfachen Maßnahmen wirksam unterstützen:
ToeGrips® können die Bodenhaftung verbessern und über den taktilen Reiz an der Kralle zusätzlich die Körperwahrnehmung unterstützen. Besonders bei Hunden, die auf glatten Böden wegrutschen oder nach einer Operation bzw. während der Rehabilitation wieder Sicherheit gewinnen müssen, können sie eine sinnvolle Ergänzung sein.
Sie wirken auf zwei Ebenen gleichzeitig:
Mein Tipp: Kombiniere ToeGrips® mit rutschfesten Unterlagen in der ganzen Wohnung – das schafft eine sichere Trainingsumgebung für die ersten Schritte nach Hause.
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Die Hüftgelenksdysplasie ist eine genetisch mitbedingte, durch Wachstum, Fütterung, Bewegung und Muskulatur beeinflussbare Fehlentwicklung des Hüftgelenks. Sie kann über Instabilität und Fehlbelastung zu Arthrose führen. Heilbar ist die HD nicht, aber häufig gut behandelbar. Die wichtigsten Hebel sind ein schlanker Hund, gezielter Muskelaufbau, individuell angepasste Physiotherapie, gute Schmerztherapie und ein alltagstaugliches Umfeld mit mehr Trittsicherheit.